
Stefan Schlott ist als freier Journalist unter anderem Chefredakteur der Fachzeitschrift ATZproduktion.
Das Thema „Digitale Fabrik“ entwächst den Kinderschuhen. Virtuelle Techniken sind längst nicht mehr auf die Konstruktion beschränkt. Ihr Einsatzspektrum reicht vielmehr vom Design über die Integration von Komponenten und den Prototyenbau bis hin zur Planung ganzer Werke.
Noch vor wenigen Jahren beschränkten sich die technischen Berechnungen im virtuellen Raum hauptsächlich auf ein Abschätzen möglicher Versagensfälle. Bereits dies trug dazu bei, die „Trial and Error“-Schleifen entlang der Entwicklungsprozesse zu reduzieren. Immer leistungsfähigere Rechner und die Verfügbarkeit geeigneter Softwareprogramme lassen heute jedoch auch ganze Automobile samt ihrer Fertigungsverfahren simulieren. Noch bevor auch nur ein einziger physischer Prototyp oder ein reales Werkzeug benötigt werden, sind so relativ zuverlässige Aussagen über die Machbarkeit und etwaige Optimierungspotentiale von Konzepten erzielbar.
Die Möglichkeiten der Simulation umfassen heute fast alle Teilbereiche der Automobilentwicklung. Im virtuellen Raum entstehen Designstudien, werden Werkzeuge zur Blechumformung ausgelegt, das Erstarren der Schmelze im Gießwerkzeug vorhergesagt, Crashtests durchgeführt oder die Bewegungsabläufe der Roboter in der späteren Fertigung überprüft.
Weiterer Handlungsbedarf besteht nun darin, die zahlreichen Insellösungen in den einzelnen Bereichen auf eine gemeinsame Datenbasis zu stellen und aus den bestehenden Teilen ein sinnvolles Ganzes zu formen. Regelmäßige Warnungen vor einem ähnlichen System-Wirrwarr wie in den 80er Jahren bei der CAD-Einführung unterstreichen dies.
Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, wenn Prof. Engelbert Westkämper, Leiter des Fraunhofer-Instituts IPA, Stuttgart, warnt, der Branche stehe noch „ein sehr langwieriger Prozess bevor, der auch in zehn bis 20 Jahren noch nicht abgeschlossen ist“. Dies umso mehr, als für so manchen Prozess noch nicht einmal die zugrunde liegenden Modelle erarbeitet seien.